Aktuell

Die Initiative „Filmerbe in Gefahr“ will mit dieser Internetseite die akuten Probleme unserer Filmarchive stärker ins Bewusstsein rufen und über die Fachdebatte informieren, die bisher überwiegend von Experten geführt wird.

Wir wollen vor allem die Verantwortlichen in Bund und Ländern bewegen, die dauerhafte Sicherung unseres filmischen Kulturerbes und seine zügige Digitalisierung stärker zu fördern sowie den Zugang zur Filmgeschichte im Kino und im Internet zu erleichtern.

Die Initiative „Filmerbe in Gefahr“ geht auf einen Aufruf zur Sicherung des Filmerbes zurück, der im November 2013 mehr als 5500 Unterzeichner fand. (Jeanpaul Goergen, Klaus Kreimeier)

[2019/02/13]

Plädoyer für eine "hybride Lösung"

Michael Loebenstein beklagt Stillstand beim Aufbau des Film Preservation Center

13. Februar 2019. - Am 5. Februar 2019 veröffentlichte der Wiener Standard eine Replik von Michael Loebenstein auf einen Artikel von Dirk Alt vom 29. Januar (Das digitale Dilemma, in: Der Standard, Wien). Loebenstein, Direktor des Österreichischen Filmmuseums und Generalsekretär der Internationalen Vereinigung der Filmarchive (FIAF), ist mit Alt darin einig, dass es wichtig sei, das filmische Erbe und den Film als Kulturtechnik in ihrer "physischen Materialität" zu erhalten. Österreich habe mit dem Konzept "Film Preservation Center" in diesem Sinne einen bemerkenswerten Schritt getan. "Passiert ist allerdings seit fast zwei Jahren gar nichts."

Loebenstein verwirft den Gedanken einer "digitalen Sicherung" nicht vollständig, sondern spricht sich für eine "hybride Lösung" aus. Er verweist auf internationale Bemühungen um Dateiformate und Datenträger, "die nichtprofitorientierten Archiven und Museen erlauben, digital erzeugte Werke wie auch Scans von analogen Filmen langfristig verfügbar zu halten." Es sei daher notwendig, parallel zur Erhaltung der analogen Techniken und der Pflege des analogen Filmbestands "in den Aufbau einer auf offenen Standards basierenden digitalen Langzeitsicherung zu investieren. Alles andere ist falsche Orthodoxie."

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[2019/02/12]

Digitalisierung als Placebo

Dominik Graf über die 4K-Restaurierung seines Films „Der Sieger“ von 1994

11. Februar 2019. – In einem Interview mit der taz (7.2.2019) kommentierte Dominik Graf die auf der Berlinale vorgestellte Digitalisierung seines Films „Der Sieger“ (1994). Im Gespräch mit Barbara Wurm äußerte er sich zufrieden, „dass dieser Film jetzt existiert.“ Das Negativ und alle anderen Materialien seien seinerzeit weggeschmissen worden. So konnten für die Restaurierung und Digitalisierung die auf Wunsch des Verleihs geschnittenen Szenen nur noch von einer VHS in entsprechend niedriger Qualität übernommen werden.

Auf die Frage zu seinem Verhältnis zur Digitalisierung antwortete Graf: „Ich kann nur immer wieder sagen: Film ist Film. 16mm, 35mm, Super 8. Alles andere ist der Versuch eines Placebos. Dass auf die Dauer wahrscheinlich, durch wirtschaftliche Interessen, dieses Filmmaterial nicht mehr vorkommt, ist eine Katastrophe. Trotzdem wäre es noch katastrophaler, wenn bestimmte Filme überhaupt nicht mehr zu sehen sein würden.“

Graf akzeptiert die Digitalisierung „als konservierenden Wert“ und gibt zu bedenken: „Für mich ist das Material „Film“ das Rettenswerte, aber bevor die Filme ganz verschwinden, ist klar, dass man auch mit so einer 4K-Restauration vorlieb nimmt. Aber es bleibt ein Placebo!“

Zum vollständigen Interview

[2019/01/01]

Förderprogramm Filmerbe startet

Filmförderungsanstalt (FAA) federführend

1. Januar 2019. – Am 1. Januar 2019 startet das Förderprogramm Filmerbe. Für einen Zeitraum von zehn Jahren stehen jährlich bis zu zehn Millionen Euro für die Digitalisierung von deutschen Kinofilmen zur Verfügung. Die Mittel werden vom Bund, den Ländern und der Filmförderungsanstalt (FAA) zu jeweils einem Drittel aufgebracht. Die Digitalisierung erfolgt nach Auswertungsinteresse, kuratorischem Interesse (aufgrund einer Nachfrage oder um die filmhistorische Vielfalt zu erhalten) und konservatorischer Notwendigkeit (aufgrund von Materialgefährdung). Die Förderungen werden von der Filmförderungsanstalt (FAA) gewährt.

Über eine Förderung nach kuratorischem und konservatorischem Interesse entscheidet jeweils ein Expertengremium. Über eine Förderung nach einem Auswertungsinteresse befindet wie bisher der Vorstand der FAA. Der zu digitalisierende Film soll im Kino aufgeführt worden oder kinotauglich sein. Nicht gefördert werden Filme, die „ursprünglich, primär oder ausschließlich für das Fernsehen oder den direkten Vertrieb über Video, DVD oder VOD produziert wurden.“

Antragsberechtigt sind die Rechteinhaber; im Falle einer Digitalisierung aus konservatorischen Gründen können Archive und Filmerbeeinrichtungen auch ohne Rechtenachweis Anträge stellen. Nicht antragsberechtigt sind Behörden der unmittelbaren Staatsverwaltung, Gemeinden und Rundfunkveranstalter. Eine Ausnahme hiervon besteht für das Bundesarchiv, das aber nur für Digitalisierungen aus konservatorischem Interesse bis zu einer Gesamthöhe von € 500.000,- jährlich antragsberechtigt ist.

Ein Exemplar der digitalen Fassung des Films muss in Vorführqualität dem Bundesarchiv übergeben werden. Der Förderempfänger muss Filmportal.de die filmografischen Daten zur Verfügung stellen und, bei Filmen über 60 Minuten, die ersten fünf Minuten dort zeitlich unbegrenzt einstellen.

Richtlinie und Antragsformulare zum Förderprogramm Filmerbe

[2018/12/30]

Zukunft des analogen Films: das Museumskino

Rainer Rother über unterschiedliche Qualitäten bei der Digitalisierung des Filmerbes

30. Dezember 2018. – In einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk vom 28. Dezember bekräftigte Rainer Rother, künstlerischer Leiter der Deutschen Kinemathek, dass die Digitalisierung unabänderlich sei, „weil das 35mm-Filmmaterial, das wir bräuchten, gar nicht mehr produziert wird und es auch keine wirtschaftliche Perspektive gibt, um dieses Material in dem Analogen zu halten, auf Ewigkeit.“

Auf das Verschwinden der analogen Filmprojektoren aus den Kinos angesprochen, antwortete Rother: „Ich glaube, es wird auf eine Praxis hinauslaufen, in der – ich sag das jetzt gar nicht abwertend – Museumskinos oder museal orientierte, filmhistorisch orientierte Kinos, besondere Vorführungen auf 35mm werden garantieren können.“

Rother präzisierte, dass die Digitalisierungsförderung von Bund, Ländern und Filmwirtschaft darauf abziele, die Filme in der höchst möglichen Qualität zugänglich zu machen: „Wir versuchen das, was das Ausgangsmaterial hergibt, in das Digitale zu retten – und das wird nicht für alle Filme [...] zu machen sein.“ Das bedeute aber nicht, dass diese Filme verloren seien: Zum einen würden sie auf ihrem analogem Material im Archiv bewahrt und zum anderen würden auch diese Filme digitalisiert, wenn auch in geringerer Qualität: „Das reicht dann möglicherweise nicht, um sie idealerweise im Kino zu zeigen, aber es reicht um zu wissen, was für ein Film das ist.“

Online bis zum 6. Juli 2019

[2018/12/26]

Digitalisierung als Kompromiss

DEFA-Regisseure wirken bei der Digitalisierung ihrer Filme mit

26. Dezember 2018. – In Leuchtkraft 2018, dem kürzlich erschienenen Journal der DEFA-Stiftung berichtet Melanie Hauth, bei der DEFA-Stiftung für Digitalisierung und Restaurierung zuständig, über die digitale Neubearbeitung des Märchenfilms „Dornröschen“ (1970) von Walter Beck. Die DEFA-Stiftung, so Hauth, setze die digitalen Tools „sehr sparsam“ ein, „damit das ursprüngliche Aussehen und damit ein Stück weit das Kinoerlebnis und der Charme analoger Filme so gut es geht auch im Digitalisat bewahrt werden.“ (S. 48) Bei der Licht- und Farbbestimmung seines Films war der heute 88jährige Regisseur beratend eingebunden.

Über die Digitalisierung des sorbischen Filmerbes informiert Sylke Laubenstein-Polenz.

Lutz Dammbeck empfindet die „digitale Neubearbeitung“ seiner zwischen 1976 und 1986 bei der DEFA realisierten Animationsfilme als „Schande“: Die Digitalisierung heize die Klimakatastrophe an und führe „zu einer Verkünstlichung der Welt“. Dennoch beteiligt er sich freiwillig an der Digitalisierung seiner Filme und leidet unter dieser Inkonsequenz. Zwar könne man praktisch unbegrenzt im digitalen Bild arbeiten, es sei aber wichtig, „den Coloristen zu stoppen, ehe er alle seine tools anwirft.“ (S. 68) Dammbeck kritisiert auch die fehlende Normung, „der große Wirrwarr von Codes, Farbräumen und Formaten.“ Vieles sei vom Zufall abhängig und es sei fraglich, „ob das aufwändig und teuer hergestellte Digitalisat überhaupt noch einmal in der Qualität zu sehen und zu hören sein wird, wie zuvor bei der Abnahme im Kinoraum.“ Zum einen macht es Dammbeck Spaß, einen Film nochmals zu bearbeiten und ihn „so gut zu machen, wie er sein könnte.“ (S. 69) Andererseits weiß er aber auch, dass er Teil einer Digitalisierungsmaschinerie ist, die nicht mehr zu stoppen ist.

  • Farbe wie im Märchen? René Pikarski im Gespräch mit Melanie Hauth, in: Leuchtkraft 2018, S. 46-47
  • Sylke Laubenstein-Polenz: Digitalisierung als Chance zur Bewahrung kultureller Vielfalt, in: Leuchtkraft 2018, S. 70-71
  • Lutz Dammbeck: Schuld und Sühne, in: Leuchtkraft 2018, S. 68-69
  • "Leuchtkraft" ist online verfügbar


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