News

[2022/02/22]

Bundesarchiv lässt bei Cinegrell digitalisieren

Umfangreicher Rahmenvertrag

22. Februar 2022. – Das Bundesarchiv hat mit der Cinegrell Postfactory GmbH aus Berlin einen Rahmenvertrag über die Digitalisierung und Restaurierung von Filmen abgeschlossen. Hergestellt werden Rohscans im Wetgate-Verfahren in 4K-Auflösung von 35mm-Filmen sowie in 2K von 16mm-Filmen, ferner das Ausspielen auf weitere digitale Formate. Der Rahmenvertrag läuft über mindestens zwei und maximal vier Jahre; pro Jahr sollen zwischen 750 und 1.250 Minuten Bild- und Ton digitalisiert werden, was etwa zehn abendfüllenden Spielfilmen entspricht.

Das Bundesarchiv beteiligt sich an dem 2019 in Kraft getretenen Förderprogramm "Filmerbe" und ist für Digitalisierungen aus konservatorischem Interesse antragsberechtigt, kann somit Gelder zur Digitalisierung konservatorisch gefährdeter, kinotauglicher Filme aus seinem Archiv beantragen.

Permalink: filmerbe.org/ref/?100,438

[2022/02/12]

Filmerbe aus dem Südwesten

Filmerbe Baden-Württembergs auf einer neuen Website

12. Februar 2022. – Vor zwanzig Jahren veröffentlichte das Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart mit dem knapp 400 Seiten starken Buch Filmschätze in Baden-Württemberg das Ergebnis einer breit angelegten Recherche zum Filmerbe in Baden-Württemberg. Ein weiteres Ergebnis dieser Umfrage war die Gründung der Landesfilmsammlung Baden-Württemberg, die seitdem mehr als 10.000 historische Filme gesammelt hat: Imagefilme von Städten und Gemeinden, Werbefilme von Firmen und Produktionshäusern, Lehr- und Unterrichtsfilme, Aufnahmen von Vereinen und regionaler Veranstalter, wissenschaftliche und medizinische Filme und vor allem Amateur- und Privatfilme. Nun wird diese Erhebung aktualisiert und eine weitere Umfrage gestartet. Die Ergebnisse werden ab Sommer 2022 auf dem neuen, bereits freigeschalteten Webportal filmerbe-bw.de vorgestellt. Damit möchte die Landesfilmsammlung über den eigenen Bestand hinaus den facettenreichen Kulturschatz von Baden-Württemberg und die Verortung im Bundesland sichtbar machen.

Unterstützt wird das Vorhaben der Landesfilmsammlung vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg sowie der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg.

Filmerbe Baden-Württemberg

Permalink: filmerbe.org/ref/?100,437

[2021/11/30]

Nur ein dürrer Halbsatz im Koalitionsvertrag

Initiative „Filmerbe in Gefahr” kritisiert leidenschaftslose Aussage zum Filmerbe

30. November 2021. – Im Koalitionsvertrag der Großen Koalition von 2013 war zu lesen: „Unser nationales Filmerbe muss dauerhaft gesichert und auch im digitalen Zeitalter sichtbar bleiben. Es bedarf hierfür neben einer Digitalisierungsförderung des Bundes auch der Beteiligung der Länder und der Filmwirtschaft. Die Stiftung Deutsche Kinemathek ist als eine der zentralen Einrichtungen zur Bewahrung und Zugänglichmachung des deutschen Filmerbes zu stärken. Die Koalition wird auch das Bundesarchiv personell und finanziell stärken.“

Der Koalitionsvertrag von 2017/2018 fasste sich schon kürzer: „Das Förderkonzept zur Digitalisierung des nationalen Filmerbes setzen wir gemeinsam mit den Ländern und der Filmwirtschaft zügig um.“

Im nun vorliegenden Koalitionsvertrag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP heißt es kurz und holprig: „Kinos und Festivals fördern wir verlässlich und bewahren unser nationales Filmerbe.“ Noch dürrer, argumentativ noch ärmlicher, an der Sache noch desinteressierter geht es nicht. Das Filmerbe: ein trauriges Substantiv in einem lustlos angehängten und grammatikalisch schiefen Halbsatz.

Wie konnte es zu diesem Schrumpfungsprozess kommen?

Vor allem: Wie konnte es dazu kommen, dass in diesem Koalitionsvertrag, der von Digitalisierungsbegeisterung nahezu überquillt, die sehr konkreten, bereits angelaufenen, wenngleich schmählich unterfinanzierten Programme zur Digitalisierung des Filmerbes auf der Strecke geblieben sind? Dass sie nicht einmal als Vorhaben Erwähnung finden, geschweige, dass ihre Förderungswürdigkeit hervorgehoben wird?

Wir wissen es nicht und werden es nie erfahren. Was wir wissen, ist: Olaf Scholz, Christian Lindner und die designierte Kulturstaatsministerin Claudia Roth werden von nun an das Filmerbe bewahren. Das versprechen sie uns. Ihre erste Aufgabe wird es sein, sich über die aktuelle Lage zu informieren.

Zurzeit werden die Filme in unseren Filmerbe-Einrichtungen mehr „verwahrt“ als bewahrt, denn zum Bewahren würde es gehören, sich auch um ihre Aufführung und Sichtbarmachung zu bemühen. Dafür fehlt es an Geld wie an ausgebildetem Personal.

Die Archive mit ihrer beschränkten Ausstattung tun ihr Bestes, ihren Filmbestand nach fachlichen Kriterien gesichert zu lagern. Wichtige Ausgangsmaterialien werden nicht mehr kassiert, sondern für die Forschung bereitgehalten. Seit 2019 ermöglicht das Förderprogramm Filmerbe der Filmförderungsanstalt (FAA) die Digitalisierung zahlreicher historischer Filme. Doch dieser Prozess stagniert. Derzeit, so scheint es, ruhen sich alle Beteiligten auf diesem Förderprogramm aus. Da die wissenschaftliche Begleitung zu wünschen übriglässt, weist die Bestimmung dessen, was dem „nationalen" Filmerbe zuzuordnen ist, erhebliche Defizite auf. Auch hier ist festzuhalten: Es fehlt an finanziellen Mitteln ebenso wie an ausgebildetem Personal.

Daneben ist es unbedingt erforderlich, die regulären Etats der Filmerbe-Einrichtungen deutlich aufzustocken, damit sie auch unabhängig von diesen neuen Anforderungen ihre Aufgaben angemessen erfüllen können.

Darüber hinaus ist zu bemängeln: Es fehlt ein kulturpolitisches Konzept für Ideen, wie die neu hergestellten digitalen Benutzerkopien ein filmgeschichtlich interessiertes Publikum erreichen können. Die Zahl der Kinos, die aus eigenem Antrieb die Filmgeschichte pflegen, ist stark zurückgegangen. Neue digitale Zugänge und Präsentationsformen sind erst in Ansätzen erkennbar, werden aber die Zukunft bestimmen. Die Debatte um eine Umorientierung zumindest der kommunalen Kinos hat begonnen. Überlegungen jedoch, wie die digitalisierten Filme – etwa über eine zentrale Plattform im Internet – veröffentlicht werden können, gibt es noch nicht.

Nach den sichtbaren Fortschritten in der „Ära Grütters“ appellieren wir an die Verantwortungsträger unserer neuen Regierung, sich der Herausforderungen, denen die Archive mit der Digitalisierung unseres Filmerbes konfrontiert sind, anzunehmen und die zuständigen Einrichtungen mit Fantasie und Hingabe, aber auch mit den unerlässlichen finanziellen Mitteln zu unterstützen.

Jeanpaul Goergen, Klaus Kreimeier

Berlin, Dezember 2021

Permalink: filmerbe.org/ref/?100,436

[2021/11/07]

Filme mit Migrationsgeschichte

Fabian Tietke hinterfragt das Konzept "nationales Filmerbe"

7.11.2021. – In seinem Essay "Das Kino hat keine Grenzen" in Der Tagesspiegel vom 3. November stellt Fabian Tietke fest, dass transnational produzierte Filme sei es in der Kommunikation der Filmförderanstalten, rückblickend durch die Geschichtsschreibung sowie in der Archivierung häufig renationalisiert werden. "Filmarchive haben in den allermeisten Fällen einen Sammelauftrag, der sich auf das 'nationale Filmerbe' beschränkt." Filme etwa zum Thema Migration würden von weniger etablierten Filmschaffenden realisiert und deshalb auch bei den Restaurierungen weniger berücksichtigt. Hinzu käme, dass Filme von den Rändern der Gesellschaft seltener in die Filmerbeeinrichtungen gelangten: "Wer in den 1960er Jahren als Arbeitsmigrant nach Deutschland kam, in den 1970er Jahren in einer Medienwerkstatt arbeitete und Deutschland später verließ, übergab seine Hinterlassenschaften nicht immer einem Archiv."

Tiedtke weist darauf hin, dass das „Förderprogramm Filmerbe“ der Filmförderungsanstalt (FAA) nur "deutsche" Produktionen unterstütze: "Was 'deutsch' definiert, muss im Einzelfall immer erst ausgehandelt werden." Der Autor fordert eine "vielfältigere Filmgeschichte". Filme sollten "nicht länger durch das Nadelöhr einer Renationalisierung gehen müssen, um archivalische Pflege zu erhalten. Für eine inklusive Filmgeschichte ist unter anderem eine Entnationalisierung der Förderung nötig."

https://www.tagesspiegel.de/kultur/nationales-filmerbe-das-kino-hat-keine-grenzen/27765168.html

Permalink: filmerbe.org/ref/?100,435

[2021/11/07]

Audiovisuelles Erbe der SRG

Rund vier Millionen Radio- und Fernsehsendungen

7. November 2021. – Bis 2022 werden auf dem Portal memobase.ch sämtliche audiovisuellen Archive der SRG (Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft) abrufbar sein. Damit setzen die SRG und Memoriav, Verein zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz, ihre Zusammenarbeit fort. Rund vier Millionen Radio- und Fernsehsendungen von den 1930er Jahren bis heute werden dann online zugänglich sein. Der Katalog der audiovisuellen SRG-Archive wird in allen vier Landessprachen veröffentlicht. "Memobase von Memoriav ist das zentrale und moderne Zugangsportal zum audiovisuellen Kulturerbe der Schweiz. Die Archivdokumente der SRG sind für Memobase eine markante Bereicherung, denn Radio- und Fernseharchivalien gehören zu den wichtigsten Dokumenten des audiovisuellen Kulturerbes der Schweiz", erklärte Cécile Vilas, Direktorin von Memoriav.

https://www.srgd.ch/de/aktuelles/news/2021/10/27/die-srg-offnet-ihre-archive-auf-memobase-dem-portal-von-memoriav/

Permalink: filmerbe.org/ref/?100,434


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