State of digitization

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[2019/10/24]

Leichte Fortschritte bei der Digitalisierung – Keine Verbesserung beim Online-Zugang

Jeanpaul Goergen
Stand: Oktober 2019


Die Zusammenstellung informiert über den Stand der Digitalisierung des Filmerbes, soweit es bei den Mitgliedern des Kinematheksverbundes (Bundesarchiv, Deutsche Kinemathek, Deutsche Filminstitut & Filmmuseum (DFF), seinen kooptierten Partnern (Filmmuseum Düsseldorf, Filmmuseum München, Filmmuseum Potsdam, CineGraph Hamburg und Haus des Dokumentarfilms Stuttgart) und Gästen (DEFA-Stiftung und Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung) archiviert ist.

Berücksichtigt werden ausschließlich DCPs für den Verleih, nicht jedoch Digibetas, HDFiles, DVDs oder Blu-rays. Nicht aufgenommen sind außerdem Digitalisierungen ausschließlich zur archivarischen Sicherung; hierzu liegen keine Angaben der Archive vor. Recherchiert wird aber, wie viele Filme die Mitglieder des Kinematheksverbunds online gestellt haben.

Die Recherche wird durch die Zersplitterung der deutschen Archivlandschaft und der Zugänge erschwert. Nicht alle Archive melden ihre digitalisierten Filme an das Filmportal als der zentralen Internet-Plattform zum deutschen Film. Vermisst wird weiterhin eine zentrale und verlässliche Übersicht der auf den unterschiedlichen Plattformen online gestellten Filme.

Die Digitalisierung des hier im weitesten Sinne verstandenen deutschen Filmerbes innerhalb des Kinematheksverbundes steht auch im Oktober 2019 weiterhin erst am Anfang. Fortschritte bei der Bereitstellung von DCPs gab es dank des zu Beginn des Jahres 2019 angelaufenen Förderprogramms Filmerbe. Neue DCPs entstanden bei der Deutschen Kinemathek [+ 148], der DEFA-Stiftung [+ 47], dem Deutsche Filminstitut & Filmmuseum (DFF) [+ 13], der Murnau-Stiftung [+ 6], dem Filmmuseum Potsdam [+ 4] und dem Bundesarchiv [+ 3].

Mit Stand von Oktober 2019 haben die Deutsche Kinemathek, das Bundesarchiv, das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum, die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, das Filmmuseum München und das Filmmuseum Potsdam somit rund 1200 DCPs im Verleih [Oktober 2018: rund 925]. DCPs der Murnau-Stiftung, die auch über andere Archive verliehen werden, wurden in dieser Zusammenstellung, da zu aufwändig, nicht mehr herausgerechnet.

Erneut stagniert die Zahl der online gestellten Filme.


1. Digitale Verleihkopien als DCP

Die Deutsche Kinemathek archiviert über 20.000 nationale und internationale Produktionen. In der Filmverleih-Datenbank sind aktuell 4.122 Filme der Kinemathek sowie 17.592 Filme des DEFA-Filmstocks recherchierbar. Von den meisten DEFA-Titeln werden aber keine Verleihkopien nachgewiesen. – An digitalen Kopien verleiht die Kinemathek aktuell 838 DCPs [Oktober 2018: 643]. 490 Digitalisierungen kommen aus dem DEFA-Rechtebestand [Oktober 2018: 443], 348 DCPs [Oktober 2018: 200] aus dem eigenen Bestand. Hierzu gehören auch Titel, die ebenso von Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und dem Deutsche Filminstitut & Filmmuseum verleihen werden. Alle DCPs können über die Verleihfilm-Datenbank recherchiert werden.

Auf der Website der DEFA-Stiftung findet sich ebenfalls eine Übersicht über die digitalisierten Titel aus deren Rechtebestand.

Das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum (DFF) verfügt über rund 20.000 Filmkopien. – Das DFF verleiht aktuell 95 DCPs von 124 Filmen [Oktober 2018: 81 DCPs von 103 Filmen]. Drei DCPs enthalten aber mehrere Tonbilder und Kurzwerbefilme; einige DCPs von Stummfilmen werden sowohl stumm als auch mit Musik angeboten. Insgesamt offeriert das DFF somit 116 Filmtitel auf DCP. Darunter sind auch DCPs der Murnau-Stiftung sowie von aktuellen ausländischen Produktionen bzw. Ko-Produktionen. Eine Übersicht mit Stand August 2019 ist auf der Website Verleihprogramm als pdf hinterlegt.

Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung archiviert etwa 6.000 deutsche Produktionen im eigenen Rechtebestand. Hinzu kommt ein Filmstock von rund 20.000 treuhänderisch verwalteten Titeln. – Aus dem eigenen Rechtebestand werden gegenwärtig 137 DCPs [Oktober 2018: 131] verliehen; eine Liste von April 2019 kann hier als pdf heruntergeladen werden. Alle Filme sind zudem als Blu-ray ausleihbar. Einige Titel werden auch über das Deutsche Filminstitut – DIF und die Deutsche Kinemathek verliehen.

Das Bundesarchiv mit rund 150.000 Filmen bietet mit Stand 4. Februar 2019 insgesamt 68.218 Medien zur Benutzung an (+ 137; Stand 14. September 2018: 68.081). Wählt man nur „Filme“, kommt man auf 46.455 35mm- und 16mm-Filme (+ 27, Stand 4. September 2018: 46.426). Aktuell verleiht das Bundesarchiv allerdings nur neun DCPs von sieben Filmen. Datenbank: Online-Datenbank Benutzungsmedien Film eingestellt sind.

Das Filmmuseum Potsdam verleiht 18 DCPs. Die Titel sind nicht online recherchierbar.

Das Filmmuseum München (Bestand: 6.000 Titel; Schwerpunkte: deutsche und sowjetische Stummfilme, früher Tonfilm und Mehrsprachenversionen, Klassiker des Avantgardefilms sowie Filme von Münchner Regisseuren) arbeitet seit 2001 digital. Eine Liste der digital verleihbaren Restaurierungen deutscher und internationaler Produktionen findet sich auf den Seiten 50/51 der Broschüre "50 Jahre Filmmuseum München" (2013). Diese Liste unterscheidet allerdings nicht zwischen DCP, Blu-ray, Beta-Tape oder DVD. Mit Stand Januar 2016 verleiht das Filmmuseum München rund 100 DCPs, von denen 70 Titel "starke deutsche Bezüge" aufweisen. Aktuelle Zahlen waren nicht zu bekommen; die Titel sind auch nicht online recherchierbar.

Im September 2016 veröffentlichte der Kinematheksverbund eine "Liste aller Digitalisate der Mitglieder des Kinematheksverbunds bis 2016." Sie umfasste sämtliche digitalen Formate bis zu 2K, berücksichtigte aber nur die Digitalisierungen der Deutschen Kinemathek, des Deutschen Filminstituts – DIF, der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und der DEFA-Stiftung. Leider ist sie aktuell nicht mehr online vefügbar.



2. Filmerbe online

Auf der "Videos"-Seite von filmportal.de sind derzeit 3.766 Titel [+ 326, Stand Oktober 2018: 3.440] abrufbar. Es handelt sich allerdings zum größten Teil um Trailer aktueller Produktionen sowie Filmausschnitte, Features und Aufzeichnungen von Diskussionen und Vorträgen. Ohne diese kommt man auf 408 [+ 10, Stand Oktober 2018: 398] in voller Länge eingestellte Filme, überwiegend Kurzfilme, die bis in die unmittelbare Gegenwart reichen. Neu sind vor allem fünf Titel des Sorbischen Instituts. Insgesamt aber stagniert das Angebot seit Jahren. Das Bundesarchiv-Filmarchiv steuert unverändert 164, die Deutsche Kinemathek unverändert 30, die Murnau-Stiftung unverändert 13 und das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum ebenfalls unverändert 136 Videos bei. Eine detailliertere Auswertung des Angebots etwa nach Filmproduktionsjahren ist leider nicht möglich.

Das European Film Gateway EFG hält aktuell 53.484 [Oktober 2018: 53.489] Videos bereit, also fünf weniger als beim letzten Zugriff. Die Plattform bietet Zugriff auf eine Auswahl der bereits auf filmportal.de verfügbaren Titel. Das DIF hat 2.522 Videos aller Art [+ 3; Stand Januar 2018: 2.519] eingestellt, vor allem Teaser und Trailer. Das Bundesarchiv zeigt unverändert 165 Filme. Unverändert auch das Angebot der Kinemathek mit 46 Videos. EFG bietet nur wenige Filterfunktionen an; fast alle hier eingestellten Titel dürften aber auch auf filmportal.de zu finden sein.

Die Deutsche Digitale Bibliothek als dem „zentralen nationalen Portal für Kultur und Wissenschaft“ verweist auf 4.050 Videos [+ 108, Stand Oktober 2018: 3.942]. Sie machen jedoch nur 0,04 % aller Digitalisate aus. In der Regel hält die DDB die Digitalisate nicht selbst vor, sondern verlinkt auf die Webportale der Datengeber. Alle eingestellten Videos dürften auch auf filmportal.de zu finden sein. Die Deutsche Kinemathek ist hier nicht vertreten.

Das Filmarchiv des Bundesarchivs bietet in seiner Filmothek Zugriff auf 3.490 [+ 8 Titel im Vergleich zu 3.482 Filme im Oktober 2018], vor allem Wochen- und Monatsschauen, aber auch Filme aus dem Ersten Weltkrieg sowie Dokumentationen des Bundespresseamtes. Abgedeckt werden die Zeiträume 1914-1918 sowie 1945-1998. Das „Dritte Reich“ ist mit zwei RWU-Filmen zum Ersten Weltkrieg auffällig unterrepräsentiert. Das Kaiserreich (1914-1918) ist mit 105 Filmen, die Weimarer Republik mit 54 Filmen vertreten. Das Gros der Filme stammt aus dem Zeit von 1945 bis 1998.

Das Filmmuseum Potsdam stellt Ausschnitte aus 87 DDR-Amateurfilmen auf https://brandenburg.museum-digital.de/ bereit.

Aus den Archiven der Teilnehmer des Kinematheksverbundes stehen derzeit an die 4.000 Videos aller Art und in voller Länge online [Oktober 2018: ca. 4000]. Da Filme gleichzeitig auf mehreren Plattformen liegen, ist diese Zahl nicht exakt zu ermitteln. Der Anstieg ist aber erneut minimal. Kuratierte und kommentierte Zusammenstellungen fehlen weiterhin; der Erschließungsgrad der Filme lässt zu wünschen übrig. Vermisst wird ein zentraler Einstiegspunkt, um online gestellte Titel des Filmerbes schnell und zuverlässig zu finden.



3. Editionen auf DVD und Blu-ray

Die Mitglieder des Kinematheksverbundes, ihre kooptierten Partner und Gäste beteiligen sich auch an Editionen von Kauffilmen – in welchen Maße, ist nur schwer nachweisbar. Das Filmportal weist für den Zeitraum 1895 bis 2005 insgesamt 5.415 Filme nach, die auf DVD bzw. Blu-ray vorliegen [5.364 im Oktober 2018]. Unverändert 50 Titel stammen aus dem Kaiserreich, 182 aus der Weimarer Republik [+ 1] und 245 aus der Zeit des Nationalsozialismus [+ 2]. Den größten Zuwachs erzielten, wenig verwunderlich, die nach 1945 produzierten Filme.



4. Recherche über Filmportal.de

Seit Februar 2015 ist es möglich, über die Seite "Filme von A-Z" auf filmportal.de die Verfügbarkeit von Filmen auch nach der Kategorie „Verleih digital“ [= DCP] zu recherchieren. Nicht alle DCPs werden zeitnah bei Filmportal.de angemeldet, andere überhaupt nicht, sodass das Portal hier seine Aufgabe als zentrale Internet-Plattform des deutschen Films nur bedingt erfüllen kann. Die folgenden Zahlen sind daher mit einer größeren Fehlerquote behaftet, dürften in der Tendenz aber zutreffen.

Filmportal.de führt 128.544 Filme an [+ 30.624, Stand Oktober 2018: 102.147], davon sind 3.958 Titel als DCP („Verleih digital“) verfügbar [Oktober 2018: 3.373], also ein Plus von 585. Die Daten lassen sich aber nicht nach den Filmerbeeinrichtungen und weiteren Anbietern filtern.

Setzt man den Beginn der Digitalisierung auf 2005 an, so weist Filmportal.de aktuell für die Zeitspanne 1895 bis 2004 insgesamt 1.574 Filme auf DCP nach; ein Plus von 295 Titeln [Oktober 2018: 1.279]. Der deutliche Unterschied zu den 1.200 vom Kinematheksverbund gemeldeten DCPs erklärt sich u.a. daraus, dass einige DCPs mehrere Titel enthalten; auch berücksichtigt das Filmportal gewerbliche Verleiher. Hinzu kommen Datenbankfehler und nicht gemeldete Digitalisierungen.

  • Das Kaiserreich (1895-1918) ist mit 140 Filmen [+ 80 im Vergleich zu 60 Titel im Oktober 2018] vertreten; hier fallen vor allem die zahlreichen digitalisierten Tonbilder ins Gewicht.
  • Weimarer Republik (1919-1932): 142 Filme [+ 27]
  • "Drittes Reich" (1933-1944): 76 Filme [+ 22]
  • Ab 1945 bis 2004: 1.218 Filme [+ 168]
  • Ebenfalls laut Filmportal sind unverändert 284 Filmen aus der Zeit von 1895 bis 2004 online verfügbar, allerdings sind jetzt 50 Titel [+ 41] auch als DCP ausleihbar.


    Stand der Recherche: Oktober 2019

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  • Schleppende Digitalisierung – Kaum Fortschritte beim Online-Zugang  (October 2018)
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