État de la numérisation

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[2020/12/27]

Erneut nur geringe Fortschritte bei der Digitalisierung – Keine Verbesserung beim Online-Zugang

Jeanpaul Goergen
Stand: Oktober 2020


27. Dezember 2020. – Die folgende Zusammenstellung informiert jährlich über den Stand der Digitalisierung des Filmerbes, soweit es bei den Mitgliedern des Kinematheksverbundes (Bundesarchiv, Deutsche Kinemathek, Deutsche Filminstitut & Filmmuseum (DFF), seinen kooptierten Partnern (Filmmuseum Düsseldorf, Filmmuseum München, Filmmuseum Potsdam, CineGraph Hamburg und Haus des Dokumentarfilms Stuttgart) und Gästen (DEFA-Stiftung und Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung) archiviert ist.

Berücksichtigt werden ausschließlich DCPs für den Verleih, nicht jedoch Digibetas, HDFiles, DVDs, Blu-rays sowie AVI-, MP4 und MXF-Dateien. Nicht aufgenommen sind außerdem Digitalisierungen ausschließlich zur archivarischen Sicherung; hierzu liegen keine Angaben der Archive vor. Recherchiert wird dagegen, wie viele Filme die Mitglieder des Kinematheksverbunds online gestellt haben.

Die Recherche wird durch die Zersplitterung der deutschen Archivlandschaft und der Zugänge erschwert. Nicht alle Archive melden ihre digitalisierten Filme an das Filmportal als der zentralen Internet-Plattform zum deutschen Film. Vermisst wird weiterhin eine zentrale und verlässliche Übersicht der auf unterschiedlichen Plattformen online gestellten Filme.

Die Digitalisierung des hier im weitesten Sinne verstandenen deutschen Filmerbes innerhalb des Kinematheksverbundes steht auch im Oktober 2020 weiterhin erst am Anfang. Fortschritte bei der Bereitstellung von DCPs gab es dank des zu Beginn des Jahres 2019 angelaufenen Förderprogramms Filmerbe. Neue DCPs entstanden bei der Deutschen Kinemathek [+ 146], der DEFA-Stiftung [+ 29], dem Deutsche Filminstitut & Filmmuseum (DFF) [+ 17], der Murnau-Stiftung [+ 16] und dem Bundesarchiv [+ 10].

Mit Stand von Oktober 2020 haben die Deutsche Kinemathek, das Bundesarchiv, das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum, die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, das Filmmuseum München und das Filmmuseum Potsdam somit rund 1.450 Filmtitel als DCPs im Verleih [Oktober 2018: rund 925]. DCPs der Murnau-Stiftung, die auch über andere Archive verliehen werden, wurden in dieser Zusammenstellung, da zu aufwändig, nicht mehr herausgerechnet.

Erneut stagniert die Zahl der online gestellten Filme.


1. Digitale Verleihkopien als DCP

Die Deutsche Kinemathek archiviert über 20.000 nationale und internationale Produktionen. In der Filmverleih-Datenbank sind aktuell 4.122 Filme der Kinemathek sowie 17.592 Filme des DEFA-Filmstocks recherchierbar. Von den meisten DEFA-Titeln werden aber keine Verleihkopien nachgewiesen. – An digitalen Kopien verleiht die Kinemathek aktuell 1013 DCPs [Oktober 2019: 838 / Oktober 2018: 643]. 519 Digitalisierungen kommen aus dem DEFA-Rechtebestand [Oktober 2019: 490 / Oktober 2018: 443], aus dem eigenen Bestand 494 DCPs [Oktober 2019: 348 / Oktober 2018: 200]. Hierzu gehören einige Titel, die auch von Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und dem Deutsche Filminstitut & Filmmuseum verleihen werden. Alle DCPs können über die Verleihfilm-Datenbank recherchiert werden.

Auf der Website der DEFA-Stiftung findet sich eine alphabetisch geordnete Übersicht über die digitalisierten Titel aus ihrem Rechtebestand.

Das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum (DFF) verfügt über rund 20.000 Filmkopien. – Das DFF verleiht aktuell 112 DCPs von 138 Filmen [2019: 95 DCPs von 124 Filmen / Oktober 2018: 81 DCPs von 103 Filmen]. Einige DCPs enthalten mehrere Tonbilder und Kurzwerbefilme; verschiedene DCPs von Stummfilmen werden sowohl stumm als auch mit Musik angeboten. Darunter sind auch DCPs der Murnau-Stiftung sowie einige ausländische Produktionen bzw. Ko-Produktionen. Eine Übersicht ist auf der Website Verleihprogramm als pdf hinterlegt.

Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung archiviert etwa 6.000 deutsche Produktionen im eigenen Rechtebestand. Hinzu kommt ein Filmstock von rund 20.000 treuhänderisch verwalteten Titeln. – Aus dem eigenen Rechtebestand werden gegenwärtig 153 DCPs [2019: 137 / Oktober 2018: 131] verliehen; zwei Listen zu Stumm- und Tonfilmen von Juni 2020 stehen hier als pdf bereit. Alle Filme sind zudem als Blu-ray ausleihbar. Einige Titel werden auch über das Deutsche Filminstitut – DIF und die Deutsche Kinemathek verliehen.

Das Bundesarchiv mit rund 150.000 Filmen bietet mit Stand 10. Oktober 2020 insgesamt 74.123 Medien zur Benutzung an (+ 5.905; Stand September 2018: 68.081; Stand Oktober 2019: 68.218). Wählt man nur „Filme“, kommt man auf 46.089 35mm- und 16mm-Filme (-366). Unter den 6.991 Daten (AVI, MXF, MP4, MPEG-2) befinden sich 19 DCPs (2019: 9 Titel). Quelle: Online-Datenbank Benutzungsmedien.

Das Filmmuseum Potsdam verleiht unverändert 18 DCPs. Die Titel sind nicht online recherchierbar.

Das Filmmuseum München (Bestand: 6.000 Titel; Schwerpunkte: deutsche und sowjetische Stummfilme, früher Tonfilm und Mehrsprachenversionen, Klassiker des Avantgardefilms sowie Filme von Münchner Regisseuren) arbeitet seit 2001 digital. Eine Liste der digital verleihbaren Restaurierungen deutscher und internationaler Produktionen findet sich auf den Seiten 50/51 der Broschüre "50 Jahre Filmmuseum München" (2013). Diese Liste unterscheidet allerdings nicht zwischen DCP, Blu-ray, Beta oder DVD. Mit Stand Januar 2016 verlieh das Filmmuseum München rund 100 DCPs, von denen 70 Titel "starke deutsche Bezüge" aufweisen. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor; die Titel sind nicht online recherchierbar.

Im September 2016 veröffentlichte der Kinematheksverbund eine "Liste aller Digitalisate der Mitglieder des Kinematheksverbunds bis 2016." Sie umfasste sämtliche digitalen Formate bis zu 2K, berücksichtigte aber nur die Digitalisierungen der Deutschen Kinemathek, des Deutschen Filminstituts – DIF, der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und der DEFA-Stiftung. Sie ist aber nicht mehr online verfügbar und wurde auch nicht auf den letzten Stand gebracht..



2. Filmerbe online

Auf der "Videos"-Seite von filmportal.de sind derzeit 4.138 Titel [+ 372, Stand 2019: 3.766 / Stand Oktober 2018: 3.440] abrufbar. Es handelt sich zum größten Teil um Trailer aktueller Produktionen, Filmausschnitte, Filmanfänge, Features und Aufzeichnungen von Diskussionen und Vorträgen. Ohne diese kommt man auf 486 [+ 78, Stand Oktober 2019: 408 / Stand Oktober 2018: 398] in voller Länge eingestellte Filme, überwiegend Kurzfilme, die bis in die unmittelbare Gegenwart reichen. Das Bundesarchiv-Filmarchiv steuert unverändert 164, die Deutsche Kinemathek unverändert 30, die Murnau-Stiftung unverändert 13, das Sorbischen Instituts ebenfalls unverändert fünf Titel. Nur das Angebot des Deutsche Filminstituts steig von 136 auf 193 Titel. Eine detailliertere Auswertung des Angebots etwa nach Filmproduktionsjahren ist weiterhin nicht möglich.

Das European Film Gateway EFG hält aktuell insgesamt 53.654 [Stand 2019: 53.484 / Stabd: Oktober 2018: 53.489] Videos bereit, ein Plus von 170. Die Plattform bietet Zugriff auf eine Auswahl der bereits auf filmportal.de verfügbaren Titel. Das DIF hat 2.559 Videos aller Art [+ 37; Oktober 2019: 2.522 / Stand Januar 2018: 2.519] eingestellt, vor allem Teaser und Trailer. Das Bundesarchiv zeigt unverändert 165 Filme. Unverändert auch das Angebot der Kinemathek mit 46 Videos. EFG bietet nur wenige Filterfunktionen an; die meisten hier eingestellten Titel dürften auch auf filmportal.de zu finden sein.

Die Deutsche Digitale Bibliothek als dem „zentralen nationalen Portal für Kultur und Wissenschaft“ verweist auf 7.834 Videos [+ 3.784, Stand 2019: 4.050 / Stand Oktober 2018: 3.942]; der deutliche Anstieg erklärt sich aus den Einspeisungen der Technischen Informationsbibliothek (TIB). Sie machen jedoch nur einen winzigen aller 11 Millionen Digitalisate aus. In der Regel hält die DDB die Digitalisate nicht selbst vor, sondern verlinkt auf die Webportale der Datengeber. Alle eingestellten Videos dürften auch auf filmportal.de zu finden sein. Die Deutsche Kinemathek ist hier nicht vertreten.

Das Filmarchiv des Bundesarchivs bietet in seiner Filmothek Zugriff auf 3.507 [+ 17 Titel, Stand Oktober 2019: 3.490 / Stand Oktober 2018: 3.482 Filme], vor allem Wochen- und Monatsschauen, aber auch Filme aus dem Ersten Weltkrieg sowie Dokumentationen des Bundespresseamtes. Abgedeckt werden die Zeiträume 1914-1918 sowie 1945-1998. Das „Dritte Reich“ ist mit zwei RWU-Filmen zum Ersten Weltkrieg auffällig unterrepräsentiert. Das Kaiserreich (1914-1918) ist mit 109 Filmen, die Weimarer Republik mit 65 Filmen vertreten. Das Gros der Filme stammt aus dem Zeit von 1945 bis 1998.

Das Filmmuseum Potsdam stellt Ausschnitte aus 96 (2019: 87) DDR-Amateurfilmen auf https://brandenburg.museum-digital.de/ bereit.

Aus den Archiven der Teilnehmer des Kinematheksverbundes stehen derzeit an die 4.090 Videos aller Art und in voller Länge online [Oktober 2019: ca. 4000]; der Anstieg geht vor allem auf die Aktivitäten des DFF zurück. Da die Filme häufig auf mehreren Plattformen liegen, ist die Gesamtzahl nicht exakt zu ermitteln. Der Anstieg ist aber erneut minimal. Kuratierte und kommentierte Zusammenstellungen fehlen weiterhin; der Erschließungsgrad der Filme lässt immer noch zu wünschen übrig. Vermisst wird ein ebenfalls zentraler Einstiegspunkt, um online gestellte Titel des Filmerbes schnell und zuverlässig zu finden.



3. Editionen auf DVD und Blu-ray

Die Mitglieder des Kinematheksverbundes, ihre kooptierten Partner und Gäste beteiligen sich auch an Editionen von Kauffilmen – in welchem Maße, ist nur schwer zu ermitteln. Das Filmportal weist insgesamt 5.615 Filme aus dem Zeitraum 1895 bis 2005 nach, die auf DVD bzw. Blu-ray vorliegen [Stand Oktober 2019: 5.415 / Oktober 2018: 5.364]. Unverändert 50 Titel stammen aus dem Kaiserreich, 200 aus der Weimarer Republik [+ 18] und 254 aus der Zeit des Nationalsozialismus [+ 9]. Den größten Zuwachs erzielten wiederum, wenig verwunderlich, die nach 1945 produzierten Filme.



4. Recherche über Filmportal.de

Seit Februar 2015 ist es möglich, über die Seite "Filme von A-Z" auf filmportal.de die Verfügbarkeit von Filmen auch nach der Kategorie „Verleih digital“ [= DCP] zu recherchieren. Nicht alle DCPs werden zeitnah bei Filmportal.de angemeldet, andere, wie die Digitalisierungen des Filmmuseums München, überhaupt nicht, sodass das Portal hier seine Aufgabe als zentrale Internet-Plattform des deutschen Films nur bedingt erfüllen kann. Die folgenden Zahlen sind daher mit einer größeren Fehlerquote behaftet, dürften allerdings in der Tendenz zutreffen.

Filmportal.de führt 151.683 Filme an [+ 23.139, Stand Oktober 2019: 128.544 / Stand Oktober 2018: 102.147], davon sind 4.611 Titel als DCP („Verleih digital“) verfügbar [Stand Oktober 2019: 3.958 / Stand Oktober 2018: 3.373], also ein Plus von 653. Die Daten lassen sich leider nicht nach Filmerbeeinrichtungen und weiteren Anbietern filtern.

Setzt man den Beginn der Digitalisierung auf 2005 an, so weist Filmportal.de aktuell für die Zeitspanne 1895 bis 2004 insgesamt 2.033 Filme auf DCP nach; ein Plus von 459 Titeln [Stand Oktober 2019: 1.574 / Stand Oktober 2018: 1.279]. Der deutliche Unterschied zu den im Oktober 2020 rund 1.450 über den Kinematheksverbund nachweisbaren DCPs erklärt sich u.a. daraus, dass das Filmportal auch gewerbliche Verleiher berücksichtigt. Hinzu kommen Datenbankfehler und nicht gemeldete Digitalisierungen.

  • Das Kaiserreich (1895-1918) ist mit 158 Filmen [+ 18; Stand 2019: 140 / Oktober 2018: 60] vertreten; hier fallen vor allem die Tonbilder und Kurzfilme von Oskar Barnack und Julius Neubronner ins Gewicht.
  • Weimarer Republik (1919-1932): 194 Filme [+ 52; Oktober 2019: 142]
  • "Drittes Reich" (1933-1944): 103 Filme [+ 27 ; Oktober 2019: 76]
  • Ab 1945 bis 2004: 1.562 Filme [+ 344 / Oktober 2010: 1.218]
  • Ebenfalls sind fast unverändert 285 (+ 1; Oktober 2019: 284) Filme aus der Zeit von 1895 bis 2004 online auf Filmportal verfügbar.

    Stand der Recherche: 20. Oktober 2020.

    Versions préalables/suivantes

  • Leichte Fortschritte bei der Digitalisierung – Keine Verbesserung beim Online-Zugang  (octobre 2019)
  • Schleppende Digitalisierung – Kaum Fortschritte beim Online-Zugang  (octobre 2018)
  • Erst ganz am Anfang – Digitalisierung des deutschen Filmerbes  (janvier 2018)

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